Geschichte wird besonders eindrücklich, wenn man sie am authentischen Ort erlebt. Diese Erfahrung machten die Klassen 9a und 10a am 29. Mai 2026 bei ihrem Studientag am Internationalen Platz Vogelsang IP in der Eifel. Die ehemalige NS-Ordensburg, einst Ausbildungsstätte für den Führungsnachwuchs des NS-Regimes und damit ein historischer „Täterort“, ist heute ein bedeutender Lern- und Erinnerungsort.

Im Workshop „Erziehung im Nationalsozialismus“ erkundeten die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen das Sportlerrelief, ein Kameradschaftshaus, den Fackelträger und das Schwimmbadmosaik. Anhand gut geeigneter historischer Text- und Bildquellen untersuchten sie, wie in Vogelsang rund 300 Jungen zwischen 12 und 18 Jahren in der Adolf-Hitler-Schule im Sinne der NS-Ideologie erzogen wurden. Anschließend präsentierten die Gruppen ihre Ergebnisse bei einem gemeinsamen Rundgang, den zwei Museumspädagogen fachkundig begleiteten.

Besonders eindrucksvoll war für viele die Atmosphäre des Ortes. „Die kalten, blockartigen und gleichen Gebäude zu sehen hat geholfen, die Ideologie der Nationalsozialisten noch mehr vor Augen zu bringen“, beschreibt Anna Sophia Aranda Torrents (9a) ihre Erfahrung. Besonders bedrückend sei der Gedanke gewesen, „dass hier Nazis erzogen wurden und wir dieselben Treppen, Räume und Ausblicke erlebt haben wie die Adolf-Hitler-Schüler damals.“

Die Exkursion knüpfte unmittelbar an den Geschichtsunterricht an und vertiefte die dort erarbeiteten Inhalte auf eindrucksvolle Weise. „Der Ausflug hat den Unterricht sehr gut ergänzt“, fasst Luisa (9a) zusammen. Marieke hob die selbstständige Gruppenarbeit hervor, während Swantje den Eindruck hatte, nun besser zu verstehen, mit welchen Methoden die Nationalsozialisten Jugendliche für ihre Ideologie gewinnen konnten. Auch Charlotte und Leona zeigten sich erschüttert darüber, wie gezielt Gemeinschaft, Gruppenzwang und Erziehung zur ideologischen Beeinflussung eingesetzt wurden.

Dass der Besuch emotional nachwirkte, zeigte sich auch in der Klasse 10a. „Die Natur dort war sehr schön, aber die Vorstellung, dass hier früher Nazis ausgebildet wurden, ist sehr bedrückend“, beschreibt Louis den eindrucksvollen Gegensatz zwischen Landschaft und Geschichte.

Trotz der intensiven Arbeit bei sommerlichen Temperaturen blieb auch Zeit für eine gemeinsame Mittagspause bei einem reichhaltigen Pasta- und Salatbuffet à volonté und für den Austausch untereinander.

Ich finde es sehr wichtig, solche Orte zu erhalten, damit die Verbrechen der Nationalsozialisten niemals in Vergessenheit geraten und sich so etwas nie wiederholen kann“, bringt Lucienne Ahlmeyer (9a) die Bedeutung des Besuchs auf den Punkt.

Der Studientag in Vogelsang hat eindrucksvoll gezeigt, wie gefährlich ideologische Beeinflussung sein kann. Die unmittelbare Begegnung mit einem authentischen historischen Ort machte deutlich, dass Demokratie, Menschenwürde und Verantwortung keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern immer wieder neu gelebt und verteidigt werden müssen.

Kirsten Ritter