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Der GeBi-Kurs der EF besuchte die Ausstellung "Heimat. Eine Suche" im Haus der Geschichte. Lohnt sich das? Lest hier die Erfahrungsberichte!

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Museumskritik: Haus der Geschichte: Heimat. Eine Suche.

In der neuen Sonderausstellung des Hauses der Geschichte Bonn geht es um den Begriff der Heimat im Laufe der Geschichte, zwischen Verklärung, Missbrauch und Verlust.
Der Eröffnungsraum der Ausstellung besteht aus einem Haus als Eingang und einer großen Säule in der Mitte, auf der zahlreiches Text- und Videomaterial zu finden ist. Unter anderem berichten hier Leute von ihren Erfahrungen mit Heimat. Viele Leute definieren den Begriff als die Menschen um sich herum, das Zuhause oder der Ort, in dem man lebt. Es findet sich jedoch auch die Aussage, Heimat sei "etwas Vergangenes". 

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Das Zentrum der folgenden Ausstellung liegt in einer Videopräsentation, in der sich Menschen über ihre Definition von Heimat austauschen. Die Videos des Eröffnungsraumes, von denen sich weitere in den Ausstellungsräumen finden, sind offensichtlich diesem Gespräch entnommen. Diese Konstante zieht sich durch die Ausstellung und verbindet die einzelnen Teilbereiche, in denen man mehr über die Geschichte des Wortes „Heimat“ erfährt.

Aufgrund der Wurzellosigkeit des 19. Jahrhunderts entwickelt sich eine Gegenbewegung zu diesem Gefühl und die Heimat wird romantisch verklärt. Später, im 1. Weltkrieg, wird sie in Deutschland zu Propagandazwecken genutzt, um die Menschen zum Kämpfen anzustacheln. Zur Zeit des Nationalsozialismus wird „Heimat“ zur Ausgrenzung derer benutzt, die vermeintlich nicht in diese Heimat gehören. Nach dem 2. Weltkrieg wandelt sich das Bild der Heimat, weil sich viele Deutsche für ihr Land schämen und die Teilung desselben erfolgt; von nun an wird Heimat eher regional verstanden. Ab diesem Punkt engagieren sich mehr und mehr Menschen politisch für ihre Region, etwa wenn ein Atomkraftwerk gebaut werden soll. Doch solche Proteste sind nicht immer erfolgreich, und viele Dörfer müssen zum Beispiel Braunkohlegebieten weichen.

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Wie sich das auf das Gefühl der Heimat auswirkt, kann man ebenfalls in der Ausstellung erfahren. So gibt die Ausstellung eine gute Übersicht über die Geschichte der Heimat und reichert dies mit interessanten Zitaten, Informationen und Mitmachstationen an, so zum Beispiel eine Station, bei der man mit Schwimmringen abstimmen kann, was für einen selbst das Wort „Heimat“ eigentlich bedeutet. 

Auch heute noch werden viele Menschen aufgrund ihrer Heimat oder vermeintlichen Heimat ausgegrenzt, und auch dieser Aspekt der Heimat wird am Ende der Ausstellung nicht ausgelassen. Trotzdem werden auch positive Gegenbeispiele gezeigt, und das Ende wirkt optimistisch. 

Jasper Stiens

 

Heimat.

Ein Begriff, den zwar die meisten verstehen, dessen Bedeutung allerdings für jeden etwas anderes ist. Doch was bedeutet Heimat für uns? Mit dieser Frage hat sich unser Geschichtskurs der EF beschäftigt. Neben Zuhause und Familie waren für uns auch die Kultur und Rituale Dinge, die wir mit dem Begriff Heimat in Verbindung setzten. Um unsere Perspektive zu erweitern, fuhren wir am 04. Februar gemeinsam ins Haus der Geschichte, um die Ausstellung „Heimat. Eine Suche.“ zu besichtigen.

Aufgebaut ist die Ausstellung in Form von verschiedenen Häusern. In jedem Haus werden zu einem Themenbereich gehörende Geschichten von verschiedenen Menschen erzählt – im einen beispielsweise von Flüchtlingen und im nächsten von Bräuchen in der deutschen Kultur. In der Mitte der Ausstellung befinden sich Videos, in denen unterschiedlichste Menschen von ihrer Definition und ihrer Erfahrung mit Heimat berichten. An einigen Stellen kann man auch selbst aktiv werden und abstimmen, wie man den Begriff für sich definiert. Neben den vielen Ausstellungsobjekten wird auch viel mit Projektionen und Zitaten gearbeitet, die an Wände gestrahlt oder gemalt sind. So findet man im Raum zu Heimat in der Vergangenheit nicht nur die Schlüssel von Mera Schiwek, die 1945 vor der Roten Armee flieht und bis an ihr Lebensende hofft, in ihre Heimat Schlesien zurückkehren zu können, sondern auch ein Bild einer großen Menge an Protestierenden, die Schilder mit der Aufschrift „Uns eint der sozialistische Internationalismus!“ in die Höhe halten.

In einer vorher aufgezeichneten Diskussionsrunde sprechen einige Menschen darüber, wo sie sich in ihrer Heimat fühlen. Teilweise wird Heimat als Blumentopf bezeichnet, der die Blume mitsamt ihrer Wurzeln festhält, während sie herumgetragen wird; für andere sei Heimat dort, wo die Familie ist. Allerdings werden auch kritische Meinungen geäußert, laut denen die Heimat tot sei, sobald sie mit traumatischen Ereignissen verbunden wird. Heimat sei beides – Verlusterfahrung und Zukunftserwartung.

In einem Raum findet man an der Wand über dem Eingang drei Tweets unter dem Hashtag #MeTwo. Als eine Anspielung auf die ‚MeToo‘-Debatte berichten Menschen mit Wurzeln aus anderen Ländern von ihrer Erfahrung mit Diskriminierung in ihrer Heimat Deutschland. Mich persönlich haben die Tweets sehr beeindruckt. Als eine Person ohne Migrationshintergrund habe ich über viele der Probleme, Ängste und Sorgen nicht nachgedacht. Dass man anders behandelt wird, nachdem der Nachname nach der Hochzeit plötzlich deutsch ist; dass man auf sein Aussehen reduziert wird oder dass man aufgrund seiner Herkunft für eine andere Schulform empfohlen wird, ist erschreckend.

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Ich empfehle die Ausstellung sehr. Nicht nur, um einigen in vielerlei Hinsicht die Augen zu öffnen und die Perspektive zu erweitern, sondern auch, um eigene Erinnerungen zu wecken. Obwohl die Ausstellung in dieser Hinsicht nicht allzu viel Freiraum lässt, findet man sich doch in einigen Ausstellungsstücken wieder. Besonders viel Spaß macht es aber natürlich, wenn man sie nicht alleine besucht, damit man sich gemeinsam an vergangene Momente erinnern und darüber lachen kann.

Antonia Auweiler

 

Heimat. Eine Suche.

Am Freitag, dem 04.02.2022, hat unser bilingualer Geschichtskurs der EF das Haus der Geschichte in Bonn besucht. Dort gibt es aktuell eine Ausstellung rund um das Thema Heimat.

Empfangen von einem Haus im Eingang, geht es weiter in die einzelnen Ausstellungsräume, die verschiedene Zeiträume mit Bezug auf Heimat behandeln. Zunächst gelangt man in einen großen Raum, in dem sich eine große Säule befindet, an der viele verschiedene Objekte ausgestellt sind: Fußmatten, Einkaufstüten, Bierdeckel, Nahrungsmittel – all das begegnet uns häufiger im Alltag als gedacht. Und dabei fällt einem gar nicht auf, wie unterschiedlich man Heimat definieren kann. Erhalte ich das Gefühl vom Zuhausesein, wenn ich genau dieses Brot oder diese Milchpackung kaufe, weil ich auf der Packung lese: „So schmeckt Heimat!“? An der Säule melden sich gleichzeitig über Bildschirme verschiedene Menschen zum Heimatbegriff zu Wort. Somit knüpft der erste Raum stark daran an, worüber wir im Unterricht zuvor gesprochen haben. Der Begriff Heimat ist für jeden etwas Individuelles und wird dementsprechend unterschiedlich verstanden oder häufig existiert für manche Menschen Heimat überhaupt nicht. „Heimat ist, wo man sein Schutzschild abnehmen kann“ oder „Heimat entsteht in einer tragenden Gemeinschaft.“

Ob man aus einem reichen Haushalt kommt und sich überall dort zuhause fühlt, wo man ist, oder aber über mehrere Jahre aus seinem „Heimatland“ geflohen ist – solche positiven Dinge oder aber auch Problematiken werden in der Ausstellung behandelt. Die Ausstellung führt durch mehrere Häuser, in denen man sich jeweils mit einem neuen Themengebiet auseinandersetzt. Diese Häuser sind um einen Mittelpunkt herum angeordnet, an dem man eine aufgezeichnete Diskussion über eine Wandprojektion zum Thema Heimat verfolgen kann. Dabei bekommt der Museumsbesucher auch die Möglichkeit, anhand einer interaktiven Statistik selbst mit abzustimmen oder auf kleinen Karten zu erklären, die dann an einer großen Wand zusammengestellt werden, was für einen selbst Heimat bedeutet.

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Nachdem man das erste Haus über Deutschland als Heimat besucht hat, in dem man an verschiedenen Gerüchen schnuppern oder sich Lieder – auch insbesondere Karnevalslieder bzw. solche aus Köln – anhören kann, geht es mit eher problematischen Themen weiter. Beispielsweise waren die Ansichten im geteilten Deutschland sehr unterschiedlich. Die SED wirbt zum Beispiel mit Wahlplakaten, eine neue Heimat zu spenden. Aber auch andere Problematiken schneidet die Ausstellung an. Wie sehr zu Hause haben sich Juden kurz nach der Zeit des NS-Regimes in einem zerstörten Deutschland gefühlt? Und wie ist das Verhältnis zwischen jüdischen Menschen und anderen Glaubensgemeinschaften in der heutigen Zeit? Fühlen sich Juden heutzutage in Deutschland beheimatet?

Die Ausstellung behandelt außerdem Themen wie die erzwungene Migration, anders ausgedrückt Vertreibung. Das muss nicht nur ein Land sein, in dem Krieg herrscht. Es kann sich auch um den Heimatverlust aufgrund von Klimakatastrophen handeln, wie wir eine solche mit dem Hochwasser im Ahrtal im Juli 2021 erlebt haben. Innerhalb Deutschlands gibt es aber noch mehr Verluste wie zum Beispiel die Umsiedlung der Menschen, deren Heimat aufgrund wirtschaftlicher Interessen in Bezug auf den Braunkohleabbau aufgegeben werden musste.

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Insgesamt kann ich die Ausstellung sehr empfehlen, da man sich sehr intensiv mit dem Heimatbegriff auseinandersetzt und am Ende einen viel größeren Eindruck davon gewinnt, als man vorher gedacht hätte. Wenn jemand fragt, „was ist Heimat?“, dann antwortet man vor allem als Mensch eines zivilisierten Land vermutlich schnell so etwas wie: „Da, wo ich mich wohlfühle.“, „Freunde und Familie“, „Kultur und Traditionen“, aber vielleicht auch einfach „Da, wo ich geboren bin.“ oder „Da, wo ich gerade lebe.“ Dass es aber durchaus Menschen gibt, die eher antworten würden, „Heimat existiert nicht“, „Heimat ist etwas Vergangenes“ oder „Ich fühle mich nirgendwo heimisch, weil ich mein Herkunftsland verloren habe und nun mehr oder weniger gezwungenermaßen in einem anderen Land lebe“, macht man sich vielleicht gar nicht so direkt bewusst. Für manche kann also Heimat auch die Erfahrung eines Verlustes sein. Ich finde sehr wichtig, dass man anderen Menschen die Augen öffnet, um zu zeigen: Nein, Heimat ist nicht immer nur etwas Positives.

Malte Ißler