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Vergangenen Mittwoch, am 18.3.2021, nahmen wir, die bilingualen Schüler*innen der Q1 und Q2, über eine Zoom-Konferenz an einem Zeitzeugengespräch teil. In Kooperation mit dem Institut français durften wir für eineinhalb Stunden dem 95-jährigen französischen Juden und Auschwitz-Überlebenden Raphaël Esrail zuhören.

Im von Nazi-Deutschland besetzten Frankreich schloss Raphaël Esrail sich 1943 einer jüdischen Widerstandsgruppe an, in der er als Passfälscher tätig war. „8. Januar 1944: Mein Leben gerät aus den Fugen, der Tod wird für die nächsten eineinhalb Jahre bis zum Zusammenbruch der Naziherrschaft in Deutschland zu meiner Bestimmung, unserer Bestimmung” (Zitat aus seinem Buch L’espérance d’un baiser, S. 7): der 18-jährige Raphaël wird verhaftet und anschließend in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Dort erlebte er eine traumatisierende Zeit, die ihn bis heute prägt. Immer wieder erinnert er sich an das „Geräusch des Riegels“ und an die „Vorahnung des Todes“ (L’espérance d’un baiser, S. 50). Im Angesicht des Todes und des Lebens „in der Welt der Negation“ hat er die „Kraft zum Überleben aus der Hoffnung geschöpft“ (L’espérance d’un baiser, S. 7).

Photo       Livre

Während des Gesprächs vermittelte er uns, wie er trotz der außergewöhnlichen Ereignisse die Hoffnung im Kampf um das Überleben nicht verlor. Ein sehr prägnantes Zitat ist uns bis heute im Kopf geblieben: „L’espoir, on l’a toujours. Parfois, on l’invente, l’espoir“ („Die Hoffnung ist unser ständiger Begleiter. Manchmal muss man sie auch erfinden, die Hoffnung“).

Neben dem Vortrag von Auszügen aus seinem Buch hatten wir auch die Möglichkeit, virtuell mit ihm in Kontakt zu treten. Raphaël Esrail antwortete ausführlichst und mit manchen Exkursen auf unsere Fragen und ergänzte unser Wissen über den Holocaust, vor allem auf der emotionalen Ebene. Seine Erlebnisse und Eindrücke kann kein Schulbuch ausreichend darstellen.

Sophia Solibieda und Sophie Brandt, Q2